Ludwig Levy

Ludwig Levy – ein Esenser Jude im Interview

 

Der Jude Ludwig Levy wurde 1909 in Esens geboren. Die Journalistin Rachel Stern interviewte Levy wenige Jahre vor seinem Tod. Daraus entstand eine Autobiographie, in der er auf eindrucksvolle Weise sein Leben beschreibt.  Seine Kindheit in Esens, das religiöse Leben und den Alltag in einer ostfriesischen Kleinstadt. Die Flucht vor den Nazis nach Südamerika und die Heimkehr nach Europa. Das Überleben und die endgültige Auswanderung in die USA.

Schüler der Carl-Gittermann-Realschule in Esens erarbeiteten Fragen, die durch die Autobiographie beantwortet werden. Die eingesprochenen Interviews sind auf iPods gespeichert und bieten nun dem  Besucher die Möglichkeit sich auf eine Zeitreise zu begeben.

Einzelbesucher können die iPods kostenlos gegen ein Pfand (Personalausweis) nutzen.

 

Gruppen können wir maximal 10 Geräte anbieten.

Neukonzeption

Wird Gottschalk-Haus außerschulischer Lernort?

 

Ökumenischer Arbeitskreis Juden und Christen in Esens bemüht sich um Nutzung des Obergeschosses

 

Erschienen am 28. Dezember 2009 im „Anzeiger für Harlingerland“

 

 

ESENS/DK – Das Obergeschoss des im Jahr 1899 erbauten jüdischen Gemeindehauses an der Burgstraße in Esens – in den letzten Jahren Wohnung mit einfach verglasten Fenstern – steht jetzt leer. So hat der kommissarische Vorsitzende Rüdiger Grimm für seinen Ökumenischen Arbeitskreis Juden und Christen für die Idee einer anderen Nutzung den Hut in den Ring geworfen.

„Das vor 20 Jahren gegründete jüdische Museum steht kurz vor einer Neukonzeptionierung. Da bietet sich die Nutzung der Räume im Obergeschoss unter anderem als Seminargelegenheit mit Bibliothek und Platz für Materialien an“, erklärt Grimm. Vorgesehen sei, zusammen mit verschiedenen Partnern wie Schulen, Vereinen und Arbeitskreisen einen außerschulischen Lernort für Schulklassen und anderen Bildungsgruppen zu installieren. Arbeitsraum werde zudem für mehrtägige Projekte benötigt.

Als Kooperationspartner könnten unter anderem die religionspädagogische Arbeitsstelle in Aurich (ARO), die Jugendbildungsstätte in Asel, die Volkshochschule Friesland-Wittmund und die jüdischen Gemeinden in Oldenburg und Osnabrück infrage kommen. Eine Planungsgruppe des Esenser Arbeitskreises Juden und Christen werde sich mit den Details für das neue Nutzungskonzept beschäftigen. Auch das Erdgeschoss soll Veränderungen erfahren, so wird hier nach Umbau weniger zum Thema Holocaust, dafür mehr über die jüdische Religion in heutiger Zeit zu erfahren sein.

Einverstanden sein mit der Veränderung im August-Gottschalk-Haus muss nun aber zunächst die Stadt Esens, die als Eigentümerin des einst zum Abbruch freigegebenen Gebäudes das Obergeschoss als Wohnung gegen ein geringes Entgelt vermietet hat – und dies nach einer Renovierung auch wieder vorhat, wie es in einem Schreiben von Stadtdirektor Jürgen Buß heißt. Weil die Räume und das langjährige aktive Wirken der Arbeitskreis-Mitglieder gar nicht umfassend bekannt waren, verschafften sich die Stadtrats-Fraktionsvorsitzenden Fokko Saathoff (SPD), Gralf Jacobs (CDU/FDP-Gruppe) und Martin Mammen (Grüne) auf Einladung des Arbeitskreises kürzlich einen Überblick und wollen dieses Thema nun in ihren Reihen diskutieren.

Weitere Nutzungsideen des Arbeitskreises in Verbindung mit dem Museum „Leben am Meer“ des Heimatvereins waren Platz für eine kleine Museumsbücherei, Sitz des Stadtarchives und ein gemeinsames sachgerechtes Museumslager für Exponate , die gerade nicht gezeigt werden können. Der Arbeitskreis schlägt auch eine Begutachtung und eine eventuelle spätere Begleitung durch den Monumentendienst der Ostfriesischen Landschaft vor und richtete eine entsprechende Bitte an die Stadt, die Mitglied in diesem Gremium ist. „Wir befürchten, dass eine Vermietung des Obergeschosses im jetzigen Zustand nur eine Mietklientel ansprechen könnte, die für unsere Arbeit nicht unbedingt zuträglich ist“, schrieb Rüdiger Grimm in einer Stellungnahme an die Stadt. Eine Renovierung für einen gemeinnützigen Zweck könne dagegen „durchaus weitere ehrenamtliche Kräfte in unserer Stadt mobilisieren und der Arbeit der Museen gut tun.“

„Nach gut 20 Jahren der Nutzung sind hier erste Renovierungsarbeiten erforderlich“, erklärte Gebietsreferent Hermann Schiefer vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege bei seinem kürzlichen Besuch über das unter Denkmalschutz stehende August-Gottschalk-Haus. Auch Gabriele Hoffmann-Schlichting, Mitarbeiterin des Fachbereichs Liegenschaften bei der Stadt Esens, nahm an der intensiven Hausbesichtigung teil. Zudem werde unter den steigenden Anforderungen der Energieeinsparung über zusätzliche Innenfenster nachzudenken sein – auch in der einfachen Oberwohnung. „Grundsätzlich kann hierfür auch ein Zuschuss aus den Mitteln der Baudenkmalpflege zur Verfügung gestellt werden.“

In diesem Zusammenhang stieß Schiefer in den Akten auf den Hinweis, dass die Stadt Esens für die Gedenkstätte Gottschalk-Haus als Kultur- und Bildungseinrichtung im Jahr 1989 Mittel der Denkmalpflege in Höhe von 70000 D-Mark für die Instandsetzung des ehemaligen jüdischen Gemeindehauses erhalten hatte. „Und zwar auf der Grundlage der Bau- und Betriebsbeschreibung von Professor Bunse vom März 1989, die im Obergeschoss Büro- und Archivraum, Personaltoilette und vor allem einen kleinen Vortragsraum mit Teeküche vorsah“, erläutert Hermann Schiefer. Diese Funktionen waren aber nur ein Jahr lang möglich, bevor die Stadt hier die Wohnung einrichtete, erinnert sich Wolfgang Ritter, seinerzeit Ratsherr und späterer Arbeitskreis-Vorsitzender.

„Zum Überleben dieses besonderen Ortes der Esenser Geschichte wird es notwendig sein, diese Kultur- und Bildungsstätte ständig zu aktualisieren und weiter zu entwickeln. Deshalb befürworte ich die Nutzung des Obergeschosses für den Arbeitskreis ausdrücklich“, schrieb Hermann Schiefer an die Stadt Esens und den Landkreis Wittmund als Untere Denkmalschutzbehörde. Letztlich handele es sich bei der ehemaligen Schule mit Lehrerwohnung und der ehemaligen Synagoge, die im Umfassungsmauerwerk erhalten geblieben ist, um ein Denkmalensemble nach dem Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz. „Das Ensemble besitzt eine besondere geschichtliche Bedeutung und ist im öffentlichen Interesse zu erhalten und sollte im Rahmen der Zumutbarkeit auch öffentlich zugänglich sein“, lautet die Meinung des Denkmalpflegers.

 

 

 

 

Entwurf für das neue Ausstellungskonzept des August-Gottschalk-Hauses

?      Raum 1: Das August-Gottschalk-Haus als Ort der Erinnerung und Versöhnung

?      In Raum 2: (Schulzimmer) wird die Einrichtung einem Schulzimmer nach- empfunden, inhaltlicher Schwerpunkt: Präsentationen zu den Themen: Juden in Esens vor dem 3. Reich, Judenverfolgung in Esens/Ostfriesland, Ludwig Levy; u. a.

?      In Raum 5:(Küche) früheres jüdisches Leben und jüdischer Alltag in Esens

(Levy-Biographie), koschere Küche: z. B. Präsentation mit spielerischen Aufgaben zur Einstimmung in die Regeln der koscheren Ernährung

?      Raum 6: Ausstellung zu den Tätern/Geschehnissen/Opfern der Schoah in Esens/Ostfriesland

?      Raum 7: Mikwe: wechselbde Infos/Ausstellungen zu Themen des  jüdischen Leben, Religion, Brauchtum heute

?      Raum 8: (Heizraum) Thora und jüdische Frömmigkeit

?      als roter Faden im Erdgeschoß: biographische Stationen Ludwig Levys

?      im Treppenhaus (3) : Ausstellungen/ Bilder

?      im Obergeschoss: Seminarraum und Bücherei, Lager, Ausstellungsraum

zu politischen Themen

 

Veranstaltungen 2015

2015 besteht das Museum August-Gottschalk-Haus 25 Jahre.

Anlässlich des Jubiläums veranstalten wir ein umfangreiches Programm:

8. März, 11:00 Uhr: Eröffnung der Ausstellung "Unserer Urmütter" - Malerei auf Seide von Gabriele Buisman

15. April, 19:30 Uhr (Gemeindehaus der ev.Kirchengemeinde St. Magnus): Vortrag zum Thema "Biblische Frauengestalten aus jüdischer Sicht", Referentin: Alina Treiger, Rabbinern der jüdischen Gemeinde zu Oldenburg

29. April, 20:00 Uhr (Hayungshof Dunum, Süddunumer Weg 1): Sholem - Klezmermusik aus Krakau; Karten in den Geschäftsstellen der Sparkasse LeerWittmund

19. Juli (ganztags): Fest am und im August-Gottschalk-Haus anlässlich des 25-jährigen Bestehens

19. Juli, 11:00 Uhr: Eröffnung der Ausstellung "Interpretationen" - Lithografien des jüdischen Künstler Leopold Dick (1818-1854) nach „Raffaels Bibel“ im Vatikan und Radierungen von Gerd Rokahr (* 1942) zu Texten über jüdisches Leben in Ostfriesland

19. Juli, 17:00 Uhr

Weitere Veranstaltungen sind in Planung und werden hier und in der Tagespresse veröffentlicht.

Gedenkveranstaltung Bombenangriff von 1943

GEDANKVERANSTALTUNG

 

Esens gedenkt in Trauer der Opfer von 1943

 

Gedenkfeier dieses Mal auf dem Ewald-Neemann-Platz

 

Erschienen am 28. September 2009 im „Anzeiger für Harlingerland“

 

ESENS/DK - „Der 27.September 1943 ist und bleibt einer der entsetzlichsten Tage in der Geschichte der Stadt Esens.“ Das erklärte Esens' Bürgermeister Klaus Wilbers gestern Vormittag auf der Gedenkveranstaltung auf dem Ewald-Neemann-Platz. Dieser 27. September sei ein „ Tag der Erinnerung und der Trauer, ein Tag der Ermahnung zu Toleranz und zum Frieden“. Rund 100 Menschen waren der Einladung der Stadt Esens zu dieser neuen Veranstaltungsform des Gedenkens gefolgt. Rechtsextreme Gruppierungen waren dieser Feier fern geblieben.

Vor 66 Jahren, so erläuterte Wilbers, seien in der Stadt 165 Menschen gestorben, darunter 108 Kinder und Jugendliche. „Sie alle waren Opfer eines bewussten und gewollten Luftangriffs. In den wenigen Minuten von 11 bis 11.10 Uhr wurden 69 Häuser dem Erdboden gleichgemacht.“ Es seien zudem 383 Häuser schwer beschädigt worden, wodurch 490 Menschen obdachlos wurden.

„Diese Erinnerung ist für uns gleichzeitig Mahnung zu Frieden und Toleranz“, erklärte der Bürgermeister nach einer stillen Gedenkminute. Mit dem erfahrenen Leid stehe man in einer fast endlosen Reihe von Trauernden und Leidenden weltweit. 60 Millionen Menschenleben seien im zweiten Weltkrieg geopfert worden. „Diese Zahl ist unvorstellbar“, unterstrich Klaus Wilbers. Und er machte klar: „All diese Menschen sind Opfer des Faschismus. Und der Faschismus ging von Deutschland aus, unser Volk hat dieses unfassbare Leid in unsere Nachbarstaaten getragen.“ Und wer sage, dass es keine Konzentrationslager wie Auschwitz gegeben habe, der lüge.

Der Bürgermeister rief dazu auf, die eigene Vergangenheit anzunehmen, auch wenn sie entsetzlich sei. „Wir müssen uns ihrer, auch wenn sie mit Scham besetzt ist, erinnern“. Diese Erinnerung sei die Voraussetzung für den Erhalt von Frieden und Freiheit. Nur wer sich erinnert, werde sich bemühen, Frieden zu erhalten und in der Gegenwart wachsam zu sein gegenüber wahnsinnigen politischen Strömungen.

In seiner Ansprache verwies Klaus Wilbers auf Artikel eins und drei des Grundgesetzes, die an oberster Priorität stünden: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Und: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauung benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

Dem Geschehen von damals stehe man heute noch ohnmächtig und wie gelähmt gegenüber.

Aber im Jetzt könne man handeln, damit sich das Geschehene nicht wiederholt. „Wir sollten achtsam, aufrichtig und wahrhaftig sein. Wir sollten jeden Tag in diesem Bewusstsein miteinander leben und einander respektieren. Wir müssen die Würde jedes Einzelnen achten und wertschätzen. Denn nur so wird es uns weiterhin gelingen, menschenverachtendem und rechtsextremem Gedankengut entgegenzutreten.“ Nur so werde es den Bürgern gelingen, Frieden und Freiheit zu erhalten. Und um dieses deutlich zu machen, stünden die Esenser Bürger gemeinsam bei der Gedenkfeier zusammen.

 

Tag des offenen Denkmals

TAG DES OFFENEN DENKMALS

 

„Tag des offenen Denkmals“ - Esenser Denkmäler öffnen ihre Türen

 

Zahlreiche Denkmäler geben der Stadt Esens ihr malerisches Erscheinungsbild. Fünf dieser historischen Bauten öffnen sich am Sonntag, den 13. September zum „Tag des offenen Denkmals“ von 11 bis 17 Uhr. Geschichts- und Kulturinteressierte haben dann Gelegenheit, Blicke hinter sonst oft verschlossene Türen zu werfen.

Erstmals dabei ist das Amtsgericht vor dem Drostentor. In diesem 1827 gebauten Amtshaus befanden sich Gerichtssaal und Arresträume, die an diesem Tag dem Publikum zur Verfügung stehen. Desweiteren lädt die St.-Magnus-Kirche zur stillen Einkehr ein. Im Turmmuseum läuft das Uhrwerk von 1873. Nur ein kurzer Weg ist es bis ins Rathaus und seiner guten Stube - dem Ahnensaal.

 

Das August-Gottschalk-Haus im ehemaligen jüdischen Gemeindehaus bietet um 15:00 Uhr eine Führung an. Bei anschließender Klezmermusik kann man koscheren Wein und Hommous auf Pitabrot im Garten genießen. Im Garten wird auch ein etwa 4 m großes Modell eines Schofars, das von Schülern des NIGE gebastelt wurde, bemalt und verziert. Als Schofar bezeichnet man ein aus Widderhorn gefertigtes Blasinstrument, welches rituellen Zwecken dient. Die Besucher sind gerne dazu aufgefordert, sich an der Mitgestaltung aktiv zu gestalten. Zwischen den Denkmälern verkehrt ein Shuttle-Service mit dem Pferdeplanwagen.

 

Dies ist auch eine gute Möglichkeit, um die Füße zu schonen und zum fünften Denkmal, der Peldemühle, zu gelangen. Der Eintritt in die Gebäude und die Fahrt mit dem Pferdeplanwagen Shuttle-Service sind an diesem Tag kostenlos.