Willi Holzhausen schenkt AHG Ritualgegenstände

WILLI HOLZHAUSEN

Ritualien erinnern an die Zeit im Esenser „Judenhaus"

 

Willi Holzhausen schenkte dem August-Gottschalk-Haus Ritualgegenstände zur Erinnerung an seine ermordeten Großeltern.

 

Erschienen: Am 26. Mai 2007 im „Anzeiger für Harlingerland“

 

 

Esens/DK - Schon mehrfach war Willi Holzhausen, der mit seiner Familie heute in Ramat Yishai in Israel lebt, nach Ostfriesland und in seine Heimatstadt Esens gereist, wo seine Vorfahren viele Generationen lang gelebt hatten. So schenkte der gebürtige Esenser dem August-Gottschalk-Haus beziehungsweise dem Träger, dem Ökumenischen Arbeitskreis Juden und Christen in Esens, vor fünf Jahren eine Reihe von Ritualgegenständen.

Der Arbeitskreis konnte jetzt eine Vitrine anfertigen lassen, in der diese Exponate im Gottschalk-Haus nun zu sehen sind. Es handelt sich um eine Mesusa, eine Hülse einer Schriftrolle für den Türpfosten, sowie um eine Hawdalakerze, die die Juden am Sabbat entzünden, samt verziertem Kerzenhalter. Zu den erhaltenen Ritualgegenständen gehören aber auch ein Weinbecher, der mit der Inschrift an Holzhausens Esenser Großeltern Karl und Henriette Weinthal erinnert, eine Bessamim-Büchse für wohlriechende Gewürze und einen Sederteller für das Pessachfest. Die Exponate wurden mit Bildern der Familie Holzhausen / Weinthal und kurzen Informationen ergänzt.

„Diese Dinge möchte ich spenden in Erinnerung an meine in Auschwitz ermordeten Großeltern“, hatte Willi Holzhausen vor einiger Zeit zu den Ritualien erklärt, die nun in dieser Vitrine im Wohnraum neben der einstigen Küche im ehemaligen jüdischen Gemeindehaus Esens ihren Platz finden. Besondere Brisanz: In den Jahren 1939 bis 1940 musste der 1933 geborene Willi Holzhausen zusammen mit seinen Großeltern fast zwölf Monate lang in diesem kleinen Zimmer im „Esenser Judenhaus“ unter menschenunwürdigen Bedingungen leben. Seine Großeltern, der Viehhändler Karl Weinthal und dessen Ehefrau Henriette geborene Aron, beide Jahrgang 1884, wurden später in Auschwitz ermordet.

Die gestrige Vorstellung der neuen Exponate in der Ausstellung zur jüngeren Geschichte der Juden in Ostfriesland gehörte zu den letzten Amtshandlungen von Wolfgang Ritter, Vorsitzender des Ökumenischen Arbeitskreises Juden und Christen, und dem langjährigen Vorstandsmitglied, Schriftführer Gerd Rokahr, beide vor 20 Jahren Mitbegründer. Am kommenden Mittwoch, dem 30. Mai, findet um 20 Uhr im Gemeindehaus St. Magnus die öffentliche Mitgliederversammlung statt, auf der dann ein fast komplett neuer Vorstand gewählt und die Planungen für das Jahr vorgestellt werden (wir berichteten).

„Im Arbeitskreis kann man daran mitarbeiten, dass die einstigen jüdischen Esenser und ihre Geschichte nicht vergessen werden“, wirkt Ritter für eine Mitgliedschaft im Verein, der sich künftig weniger um das Museum kümmern wird als um Kultur- und Gedenkveranstaltungen wie zur Pogromnacht am 9. November 1938 und den Holocaust-Gedenktag am 27. Januar 1945, der Befreiung des KZ Auschwitz. Und für Rokahr handelt es sich bei der Arbeit im Verein auch um ein Stück Stadtgeschichte. Er selbst hatte mit seinem umfangreichen Buch erst die informative Grundlage gelegt, so dass der Arbeitskreis gegründet und das gefährdete August-Gottschalk-Haus gerettet und schließlich genutzt werden konnte. „Es ist schon wichtig, die Erinnerung an die jüdischen Mitbürger zu pflegen.“ Bis heute besitzt der ökumenische Zusammenschluss in Esens Kontakte zur neuen jüdischen Gemeinde Oldenburg.