August Gottschalk

Auch in überregionalen Gremien war Gottschalk ehrenamtlich und segensreich tätig, z.B. als Schriftführer im Verein der israelitischen Lehrer und Kultusbeamten der Rabbinatsbezirke Emden-Oldenburg-Bremen. Als Mitglied nichtjüdischer karitativer Vereinigungen (u.a. Rotes Kreuz) setzte sich August Gottschalk besonders während des 1.Weltkrieges selbstlos für seine Mitbürger ein. Bei der Bürgervorsteherwahl im Jahre 1919 wurde er als erster Jude in den Esenser Stadtrat gewählt, wo er sich beispielsweise um die Gründung der Esenser Mittelschule sehr verdient machte.

Neben August Gottschalkgab es in Esens keine Persönlichkeiten, deren Leben und Wirken so eng mit diesem Hause verbunden war. 1899 war er maßgeblich an der Planung und Errichtung des Gebäudes beteiligt; hier wohnte er mit seiner Familie bis zum Tode am 1.Juni 1927. In diesem Haus unterrichtete Gottschalk jüdische Jungen und Mädchen, aber auch christliche Kinder, denen er z.B. Unterricht in Stenographie erteilte. Als Lehrer, Vorbeter und Schächter gestaltete dieser aktive Kultusbeamte mehr als 30 Jahre lang das religiöse Leben der jüdischen Gemeinde zu Esens. Als Bürgervorsteher hat sich Gottschalk gemeinsam mit seinen Kollegen christlichen Glaubens für die Esenser Bürger engagiert, zum Wohle der Stadt gewirkt und damit christlich-jüdische Zusammenarbeit praktiziert.

August Gottschalk war in Esens hochgeachtet; sein Name hatte bei Juden und Christen einen guten Klang. Er kann als Vorbild gelten, als Beispiel dafür, dass ein Miteinander von Juden und Christen in Esens - gerade in diesem Hause – möglich war und vielleicht wieder möglich sein wird. Deshalb erhielt das ehemalige Gemeindehaus der Juden in Esens den Namen "August-Gottschalk-Haus".