Einleitung Jüdische Gemeinde

Am 9. März 1940 verließen die letzten 6 Juden Esens. Spätestens seit diesem Zeitpunkt gibt es keine jüdische Gemeinde mehr in Esens.

Der Jüdische Friedhof in Esens

Die Toten der jüdischen Gemeinde in Esens wurden bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts in Wittmund beigesetzt. Sie waren verpflichtet, diesen Friedhof mit zu unterhalten. Nachdem der Wittmunder Friedhof um 1690 voll belegt war, sollten die ostfriesischen Schutzjuden auf Grund einer herrschaftlichen Anweisung des Fürsten Christian Eberhard von 1690 eigene Friedhöfe an ihren Wohnorten anlegen.

 

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Geschichte der Esenser Synagogengemeinde

Zeittafel  zur Geschichte der Esenser Synagogengemeinde


1582

In seinem Tagebuch erwähnt der Esenser Landrichter Hermann Prunseken am 8. November ein Stück Land mit dem Namen „Juden Kirchhof“

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Jüdische Gemeinden in Ostfriesland

  • Nahezu 400 Jahre lang haben Juden in Ostfriesland gelebt. Nachdem sich bereits vor 1550 die ersten von ihnen in Emden niedergelassen hatten, bildeten sich Synagogengemeinden in allen ostfriesischen Städten und einigen Flecken.
  • Jüdische Gemeinden bestanden in Aurich, Bunde, Dornum, Emden, Esens, Jemgum, Leer, Neustadtgödens, Norden, Weener und Wittmund. Die von jüdischen Badegästen gebildete Gemeinde auf Norderney war eine Filiale der Norder Judengemeinde. Die Juden in Wilhelmshaven hatten zunächst der Gemeinde Neustadtgödens angehört, ehe sie eine selbstständige Gemeinde bildeten, die eine Zeitlang auch zum Landrabbinat Ostfriesland zählte.

 

  • Zu jeder jüdischen Gemeinde gehörte das gottesdienstliche Versammlungshaus, die oft prächtig ausgestattete Synagoge. Die jüdischen Kinder besuchten jüdische Gemeindeschulen und verstorbene Juden wurden auf gemeindeeigenen Friedhöfen beigesetzt. Als vierte feste Einrichtung war in jeder jüdischen Gemeinde die Mikwe vorhanden, das Ritualbad für religiöse Kultbäder. Geistliches Oberhaupt der Juden in Ostfriesland war der Landrabbiner in Emden. In den einzelnen Gemeinden verwalten gewählte Vorsteher alle Angelegenheiten des Synagogen-, Schul- und Armenwesens. Das religiöse Leben wurde in den kleinen Gemeinden vom jüdischen Lehrer geprägt, der beim Gottesdienst in der Synagoge auch als Vorbeter tätig war und als Schächter für koscheres (nach rituellen Vorschriften bereitetes) Fleisch sorgte.

 

  • Der Anteil der Juden an der ostfriesischen Bevölkerung betrug etwa 1%. Jüdische Schlachter und Händler konnten jahrhundertelang neben christlichen Handwerkern und Kaufleuten bestehen; Viehmärkte waren ohne jüdische Viehhändler nicht denkbar. Die Mehrzahl der ostfriesischen Juden lebte in einfachen und durchschnittlichen Verhältnissen.

 

  • Trennende Gegensätze zwischen Juden und Christen waren seit dem Ende des 19.Jahrhunderts weitgehend abgebaut. Nun wurden Juden in den Stadtrat gewählt, sie wurden Vereinsmitglieder und errangen Preise und Auszeichnungen. Antisemitische Strömungen oder gar Ausschreitungen gegen Juden hatte es in Ostfriesland bis dahin nur selten gegeben. Erst in jüngerer Zeit, beginnend mit Pastor Münchmeyers primitiven antijüdischen Agitationen in den zwanziger Jahren, wurde das anders. Auch unter den Juden in Ostfriesland bildeten sich nun zionistische Gruppen, die ihre Zukunft in Palästina sahen.

 

  • Die große Mehrheit der Juden, die im Lande blieb, war den 1933 beginnenden Verfolgungen durch die Nazionalsozialisten schutzlos ausgeliefert. Auch in Ostfriesland wurden jüdische Geschäfte Boykottiert, Juden aus den Vereinen ausgeschlossen und aus dem Geschäftsleben verdrängt. In der sogenannten "Kristallnacht" (9./10. November 1938) brannten die Nationalsozialisten Synagogen nieder und verhafteten ihre jüdischen Nachbarn; Frauen und Kinder wurden bald wieder entlassen, die Männer in das KZ Sachsenhausen verschleppt. Die jüdischen Gemeinden verloren ihre Eigenschaft als Körperschaft öffentlichen Rechts und wurden als "Jüdische Kultusvereinigung e.V." in die Vereinsregister eingetragen. Im März 1940 mussten auch die letzten ostfriesischen Juden ihre Heimat verlassen und sich andere Wohnungen innerhalb Deutschlands suchen. Ostfriesland wurde für "judenfrei" erklärt. Nur im jüdischen Altersheim in Emden konnten noch einige Juden ihr Leben fristen, bis zu ihrer Deportation im Jahre 1942. Viele ostfriesische Juden waren inzwischen emigriert. In den folgenden Jahren wurden etwa 1000 Juden aus Ostfriesland in den NS-Vernichtungslagern ermordet. Ihre Geschichte ist noch nicht geschrieben worden.

 

Jüdische Wohn- und Geschäftshäuser in Esens

 

Jüdische Wohn- und Geschäftshäuser

Rundgang

1.

Westerstraße Nr. 11 (früher Nr. 64/55) Viehhändler und Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Simon Weinthal (1873 – 1938) und Ehefrau Adele geb. Wagner (1862 – 1929)

2.

Neustädter Straße Nr. 8 (früher Nr. 23/24) Wohnhaus des Trödlers Isidor Reinthal, Aufnahme 1981, kurz danach Abbruch

3.

Neustädter Wall Nr. 11 (früher 118), Wohnhaus des Viehhändlers Josef Driels mit seiner Familie

4.

Am Markt Nr. 81/82, zweites Haus von rechts (Mitte links); Wohn- und Geschäftshaus von Julius Frank, später Louis Oppenheimer (Firma ,,J. Frank Wwe. & Co.“); das Gebäude wurde abgerissen und durch den Rathausanbau ersetzt; Aufnahme ca. 1910.

5.

Butterstraße

6.

Jücherstraße Nr. 10 (früher Nr. 15) (Mitte rechts); Wohnhaus des Schlachters Josef Weinberg. Steinstraße Nr. ? (unten links); im dritten Haus von links wohnte der Schlachter und Viehhändler Karl Weinthal. Das Haus wurde abgerissen; an seiner Stelle entstand ein Neubau; Aufnahme ca. 1920

7.

Steinstraße

8.

Schulhaus und Lehrerwohnung August Gottschalk

9.

Die Synagoge an der Burgstraße, gebaut 1890 (?)

10.

Graftegge Nr. 4 (unten rechts); Wohn- und Geschäftshaus des Viehhändlers und Schlachters Bernhard Levy; heute durch Umbauten stark verändert (Steinstraße Nr. 27).

11.

Herrenwall Nr. 127 (oben links); dieses Haus gehörte dem Pferdehändler Siegfried Herz, der es zusammen mit seiner Familie und mehreren Mietparteien bewohnte. In den dreißiger Jahren war es ein Ferienheim für jüdische Kinder und wurde dann Arbeitsdienstlager. Beim Bombenangriff auf Esens am 27. September 1943 wurde dieses Gebäude zerstört.

12.

Herdestraße Nr. 20 (früher Nr. 27) (oben rechts). Dieses Bild zeigt die Herdestraße um 1930 mit dem Wohnhaus der Familie Wolff (links).

13.

Herdetor Nr. 36 (früher Nr. 137) (Mitte links), Wohn- und Geschäftshaus der „Geschwister Weinthal“. Das Manufakturwarengeschäft wurde von Ernst Schiff und Minna geb. Weinthal geführt; Aufnahme 1981.

14.

Molkereistraße Nr. 11 (früher Nr. 96) (Mitte rechts); in diesem Hause wohnten die Viehhändler Artur und Hugo Levy mit ihren Familien.

15.

Molkereistraße

16.

Herdetor Nr. 33 (früher Nr. 102) (unten links); Wohnhaus der Familie Samuel Weinthal, Geburtshaus der Geschwister Weinthal; rechts ist das Schlacht- und Lagerhaus Samuel Weinthals zu erkennen; Aufnahme ca. 1982.

17.

Herdetor Nr. 83/84 (unten rechts); hier wohnte der Viehhändler Louis Weinthal mit seiner Familie. Das Haus wurde beim Bombenangriff auf Esens am 27. September 1943 zerstört (Gemälde von W. Dassler, 1928, im Besitz der Stadt Esens).

18.

Friedhof der jüdischen Gemeinde

Zerstörte Grabsteine (oben); in der „Kristallnacht" (9./10. November 1938) brannte nicht nur die Synagoge in der Burgstraße völlig aus. Im Zusammenhang mit diesem Geschehen steht auch die Schändung des jüdischen Friedhofs, von dem außer wenigen Grabsteinen nur noch Trümmer übrigblieben.

 

Erläuterung zur KARTE:

Standorte der jüdischen Gemeinde-Institutionen sowie Wohn- und Geschäftshäuser der Eseser Juden gegen Ende der 1920er/ Anfang der 1930er Jahre.

Weitere Beiträge...

  1. Die Synagoge in Esens