Die Synagoge in Esens

1827: Die jüdische Gemeinde erbaute an der Burgstraße eine Synagoge und ein Schulhaus mit der Wohnung für den Synagogendiener.

1828: Am 15. Februar wurde die neue Synagoge eingeweiht.

1860: Nach der Feuersbrunst vom 25. September wurden mehrere jüdische Familien für einige Zeit notdürftig in der Synagoge untergebracht.

1878: Die jüdische Gemeinde feierte das 50-jährige Jubiläum ihrer Synagoge. Landrabbiner Dr. Buchholz hielt die Festpredigt. Anschließend Festball im Harnischen Gasthof.

1903: Die israelitische Gemeinde beging die Feier des Bestehens der Synagoge mit einem besonders feierlichen Gottesdienst und durch eine in Wessels Hotel veranstaltete Familienfeier mit Festessen, Aufführungen und Ball.

1938, 9./10. November: In ganz Deutschland brannten die Synagogen. Dem Obersturmführer der SA in Esens erschien das Niederbrennen in der dicht bebauten Stadt zu gefährlich, angeblich sollte die Zerstörung der Synagoge auf die Zertrümmerung der Inneneinrichtung beschränkt werden. Doch dann wurde doch Feuer gelegt. Die Synagoge brannte bis auf die Umfassungsmauern völlig aus. Die Esenser Juden wurden in dieser Nacht auf dem Hof hinter dem Stadthaus zusammengetrieben, währenddessen wurden die leer stehenden Häuser der Juden durchsucht und Wertgegenstände entwendet. Am nächsten Morgen wurden Frauen und Kinder wieder nach Hause entlassen. Die Männer wurden nach einer weiteren Nacht nach Oldenburg und von dort in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. Erst Wochen oder Monate später kamen alle Juden vorerst wieder frei.

1940: Das Grundstück mit den Trümmern der ausgebrannten Synagoge wird von der jüdischen Gemeinde verkauft. Die jüdische Gemeinde verliert ihre Eigenschaft als Körperschaft öffentlichen Rechts und wird als Jüdische Kultusvereinigung e. V. in Esens in das Vereinsregister eingetragen. Alle Juden mussten Esens verlassen. Die Ruine der Synagoge wurde zu einer Doppelgarage ausgebaut.

Seit 1989: Der Ökumenische Arbeitskreis Juden und Christen bemüht sich um die Erhaltung und um den Erwerb der ehemaligen Synagoge.

1993: Ehemalige Synagoge unter Denkmalschutz. Institut für Denkmalpflege: „Die ehemalige Synagoge sowie das ehemalige jüdische Gemeindehaus stellen ein wichtiges Zeugnis für die jüdische Kultur in Esens dar. Gerade die Reste der ehemaligen Synagoge sind ein wichtiges Zeugnis der deutschen Geschichte und der Judenverfolgung. Aus historischen Gründen sind die Reste der ehemaligen Synagoge und nicht nur das Gemeindehaus als Baudenkmal zu sehen.“ (20. 4. 1993).

2009: Der Ökumenische Arbeitskreis Juden und Christen gibt das Vorhaben des Erwerbs der Mauern der ehemaligen Synagoge auf, behält die Pflege des privat genutzten Gebäudes direkt neben der ehemaligen jüdischen Schule August-Gottschalk-Haus jedoch im Auge.