Ökumenischer AK Juden und Christen

Wie hatten sich die Dinge bis zu diesem Tag entwickelt? In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 wurde, wie überall in Deutschland, auch die Esenser Synagoge von den Nazis zerstört und völlig ausgebrannt. Das in unmittelbarer Nähe stehende Schul- und Gemeindehaus blieb erhalten und geriet, wie auch die Reste des jüdischen Gotteshauses, in „arischen“ Besitz.

 

Bis zum Jahre 1985 wurde es als Wohnhaus genutzt und kam dann in Eigentum der Stadt. Im Juni 1985 wird bekannt, dass die Stadt das Gebäude abreißen will, um einen daneben liegenden Parkplatz zu erweitern.

Erste Proteste werden laut. Im „Lüttje Blatt“ des Esenser Verlags Enno Söker wendet sich Detlef Kiesé als erster gegen die Zerstörung des historisch bedeutsamen Hauses, und im „Sprachrohr“ des Niedersächsischen Internatsgymnasiums Esens wird vor einem „Abriss-Skandal“ gewarnt. Nach Erscheinen eines Leserbriefs von Gerd Rokahr und Wolfgang Ritter im „Anzeiger“ vom 8.Januar 1986, in dem an den Esenser Stadtrat appelliert wurde, den Abriss-Beschluss zurückzunehmen und eines der wenigen noch erhaltenen jüdischen Gemeindezentren – Schul- und Gemeindehaus sowie die Reste der Synagoge – als Erinnerungsstätte zu erhalten, blieb das Thema durch Artikel in den ostfriesischen Zeitungen, durch Leserbriefe, Unterschriftensammlungen und Eingaben an den Stadtrat im Gespräch.

Nach mehreren Treffen im Verlauf des Jahres 1986 kamen schließlich am 3.März 1987 die Vorstände der ev.-lutherischen, der ev.-methodistischen und der katholischen Gemeinde zusammen, um die Gründung eines "Ökumenischen Arbeitskreises Juden und Christen in Esens" vorzubereiten. Seine Aufgabe soll es sein, über Religion, Geschichte und Alltagsleben der Juden zu informieren, um Unkenntnis und immer noch vorhandene Vorurteile abzubauen. Als vordringlichstes Vorhaben beschloss man, sich um die Erhaltung und sinnvolle Nutzung des ehemaligen jüdischen Gemeindehauses zu bemühen. Auf der Gründungsversammlung des Arbeitskreises erklären 31 Personen ihre Mitgliedschaft und wählen Gerd Rokahr zum Vorsitzenden. Stellvertreter werden Renate Schwarz-Schieferdecker und Oskar Halter; Detlef Kiese als Schriftführer und Hans Folkerts (Kassierer) vervollständigen das Gremium. Intensive Gespräche und Verhandlungen gelten nun vor allem dem Ziel, das ehemalige jüdische Gemeindehaus vor dem Abriss zu bewahren und dort eine Dokumentations- und Begegnungsstätte zu errichten.

Hilfe kommt von vielen Seiten: Landesrabbiner Dr. Henry G. Brandt besucht Esens im Mai 1988 und befürwortet das Vorhaben. Ewald Neemann, der frühere Stadtdirektor, setzt sich ein. Unterstützung kommt aus der Bevölkerung.

Auf der entscheidenden Stadtratssitzung am 22.August 1988 appelliert Bürgermeister Werner Schmidt eindringlich an den Rat für die Erhaltung des ehemaligen jüdischen Gemeindehauses - und die große Mehrheit folgt dem Appell. Im September wird das Gebäude "wegen seiner geschichtlichen und wissenschaftlichen Bedeutung" unter Denkmalschutz gestellt.

Nach der Sanierung des Hauses wird es am 29.August 1990 im Rahmen einer Begegnungswoche mit ehemaligen jüdischen Bürgerinnen und Bürgern aus Esens und Wittmund als Gedenkstätte für die ostfriesischen Juden eröffnet. Zur Erinnerung an den langjährigen Lehrer und Kultusbeamten erhält es den Namen "August-Gottschalk-Haus".

Bis zum Jahre 2007 wurde das Haus ehrenamtlich von den Mitgliedern des Ökumenischen Arbeitskreises betreut. Seit Oktober 2008 ist eine hauptamtliche Museumskraft zuständig.

Seit seiner Gründung hat der Arbeitskreis in Erfüllung seiner Satzung eine Vielzahl weiterer Aufgaben realisiert, die auch in Zukunft sein Handeln bestimmen werden: Gedenkstunden am 9.November und zum Holocaust-Gedenktag - Besuche jüdischer Einrichtungen - Vorträge - Konzerte - Kontaktpflege mit Esenser Juden und ihren Nachkommen

 

Satzung

Aufnahmeformular

 

Vorsitzende seit 1987

Gerd Rokahr                          1987 – 1997

Wolfgang Ritter                     1997 – 2007

Petra Dresler-Döhmann         seit 2007

 

Kontakt

Ökumenischer Arbeitskreis Juden und Christen in Esens e.V.

Postfach 14 13

26423 Esens

2. Vorsitzender Rüdiger Grimm

Im Burggrund 8

26427 Esens

Tel. 04971-947686

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